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20.06.2022 Clara Koppenburg

Josephine Meissner – Trailäuferin

Beim Trailrunning reicht die Geländevielfalt vom Trampelpfad um die Ecke, über dichte Wälder, Flussufer bis hin zu anspruchsvollen Hochgebirgspfaden. Im Vordergrund stehen hierbei das Erleben der Natur und der Spaß am abwechslungsreichen Laufen. Durch Unebenheiten und anspruchsvolle und abwechslungsreiche Gelände, trainiert das Trailrunning, neben dem Herz-Kreislauf-System, den gesamten Bewegungsapparat. Vor allem wirkt sich Trailrunning aber auch Körper und Geist aus, da Konzentrationsfähigkeit gefragt ist und das Bewegen in der Natur erwiesenermaßen gut für uns ist.


Wir trafen die sympathische Athletin Josefine Meissner, die uns mehr über Trailrunning erzählt.

Josephine lebt und arbeitet in Basel als Physiotherapeutin, doch das stoppt sie nicht, die Welt mit dem Rad oder zu Fuss zu erkunden. Von Golden Trail Series über Schweizermeisterschaft bis hinzu Crossing Iceland ist Josephine am Start.

Wir wollen wissen, wie Josephine sich auf diese Läufe im Gelände vorbereitet, wie sie dies mit ihrem Job vereinen kann und was sie dazu bewegt, mehrere Stunden täglich zu trainieren.


Seit wann machst du Trail Running und wie bist du dazu gekommen?

Wirklich regelmäßig trainiere ich erst seit 3 Jahren. Ich bin zwar auch vorher schon fast täglich gelaufen aber ohne Plan, mehr nach Lust und Laune. Mein Interesse am Trailrunning wurde 2012 in Neuseeland geweckt. Dort hatte ich das Glück bei einer Familie zu leben, die permanent auf Trails mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs war. Nach meiner ersten Woche in Neuseeland haben sie mich für ein 12h-Mountainbikerennen angemeldet. Mit meinen anfangs schlechten Englischkenntnissen hatte ich allerdings keine Ahnung, für was ich mich angemeldet hatte und mit nur 15 Jahren konnte ich meine Altersklasse natürlich gewinnen, da sonst niemand unter 16 alt war. Nach meinem Austauschjahr in Neuseeland war mein Interesse am Ausdauersport geweckt.


Was macht dir dabei so viel Spaß?

Große Distanzen in Gelände zurücklegen und dabei Unvorhergesehenes erleben und neue, abgelegen Orte entdecken. Im hochalpinen Bereich ist alles noch einmal viel extremer. Die Exponiertheit, das Wetter, die Menge von Höhenmetern bis auf einen Gipfel, die Einsamkeit, die Ruhe. Extreme Dimensionen für das Laufen.

Mir liegt das technisch anspruchsvolle Laufen im Gelände zu dem es schon fast etwas Mut braucht. Abgesehen davon bin ich ein Wettkampftyp und liebe Herausforderungen.


Welche Rennen und Events strebst du dieses Jahr an?

Letztes Jahr habe ich aussetzen müssen: Pfeiffrisches Drüsenfieber. Nichts ging mehr. Ich war froh, die Treppe hochzukommen. Aber seit letztem Winter bin ich wieder im Aufbau. Zum Warmwerden habe ich vor, ein paar kleine Rennen der Jura-Top-Tour und ein Halbmarathon auf der Straße zu absolvieren. Dann gehts los mit dem Swiss Canyon Trail und der Golden Trail Series: TOP20RUN Gornergrad Zermatt und Sierre Zinal. Dazwischen eventuell noch die Berglauf SM und zum Schluss noch die Swiss Trail Tour.


An welchen Events hast du bisher teilgenommen und gab es Favoriten?

Ich mag die kleinen Veranstaltungen in der Region mit den interessanten Streckenprofilen. Aber der Fokus liegt natürlich auf größeren Wettkämpfen, wo ich mich national und international mit anderen Läuferinnen messen kann. Dort sind meine Favoriten Sierre Zinal, Swiss Canyon Trail, Bernina Utraks, Eiger Ultra oder Swiss Alpine.


Wie bereitest du dich auf die Trail-Running-Events vor? (Welche Art von Training, wie viele Stunden pro Woche etc.)

Ich würde sagen, dass das Training sehr ähnlich ist wie bei einem Marathon Läufer außer, dass ich meine Dauerläufe oft auf Trails mache und die Intervalle regelmäßig am Berg.

In den letzten Jahren habe ich im Schnitt zwischen 12 bis 15 h pro Woche trainiert. Jetzt habe ich endlich das relativ zeitintensive Studium abgeschlossen und möchte den Umfang dieses Jahr noch deutlich steigern.


Wie vereinbarst du die Arbeit mit dem Training?

Ich arbeite momentan nicht 100% was es mir erlaubt, vor und nach der Arbeit zu trainieren. Außerdem habe ich als Physiotherapeutin die Möglichkeit, gewisse Trainingseinheiten (z.B Krafttraining) direkt am Arbeitsort zu machen und kann so auch meine Mittagspause effektiv nutzten.


Welche Tipps hast du für andere Trail-Runner?

Abwechslung hilft dabei, den Spaß nicht zu verlieren und motiviert zu bleiben. Der Ausgleich mit anderen Sportarten wie Bergsteigen, Skimo oder Renn-/Gravelrad erweitern die Fähigkeiten und sind ein großartiger Weg, zusätzlich an der Fitness zu Arbeiten.

Mit Freunden trainieren ist ein anderer Tipp, um das Training abwechslungsreich zu halten oder um sich für intensive Einheiten etwas Unterstützung zu sichern.


Was ist dein «Must have piece” für die Läufe? (Spezielle Schuhe, Hose, Gel…)

Das Wichtigste für mich ist die eigene Verpflegung und natürlich meine eigenen Laufschuhe. ;)


Hast du ein bestimmtes Ritual, um in den Flow zu kommen oder einen Trick, wenn du während dem Lauf einen Tiefpunkt erlebst?

Vor dem Wettkampf und während dem Aufwärmen, höre sehr gern Musik.

Der Tiefpunkt während eines Run’s kommt sicher! Wenn nicht, war man zu langsam unterwegs ;)

Mir hilft es, mental auf dem Tiefpunkt vorbereitet zu sein (Visualisierung) und dann Strategien parat zu haben, um zu verhindern, in Negativspiralen mit den Gedanken zu kommen.


Wie verpflegst du dich während dem Rennen?

Bei den Wettkämpfen konzentriere ich mich momentan auf Distanzen zwischen 20 und 50 Kilometern. Auf diesen Stecken verpflege ich mich mit Gels und Kohlenhydratgetränken. Ich nehme im Schnitt alle 30 Minuten etwas zu mir, außer die Wetterbedingungen sind extrem. Die Verpflegung, während einem steilen Aufstieg, ist oft einfacher, da das Tempo tiefer ist und je nach dem sogar gelaufen/gegangen werden kann, ohne dass ich Tempo/Zeit verliere.

Je nach Trainingseinheit, verpflege ich mich dort mit Gels oder ausschließlich Kohlenhydratgetränken. Auf den ganz langen Dauerläufen sind es auch mal salzige Nüsse oder ein Riegel.


Gibt es etwas, auf das du dich, während dem Laufen am meisten freust, sobald du im Ziel bist?

Den Sieg oder ein gute Ergebnisse falls es gut läuft ;-)

Aber oft sind es auch so banale Dinge, wie Chips oder ein anschließendes Bad in einem kalten Bergsee oder Fluss.


Neben den Trail-Läufen strebst du auch eine Island Radtour an. Erzähl uns mehr darüber!!!

Diesen Sommer reise ich mit meinem Gravel Bike nach Island.

Mein großes Ziel: Als erste Frau, eine dokumentierte Unsupported-Nonstop-Überquerung des isländischen Hochlands in möglichst unter 24 Stunden, zu absolvieren. Distanz: ca. 400 Kilometer mit 4000 Höhenmetern.

Die Strecke führt zu 90 % über Schotter- und Vulkangestein durch die größte Trockenwüste Europas. Auch speziell: zahlreiche heikle Flussüberquerungen zu Fuß.

Um zu wissen, was auf mich zukommt und um das Vorhaben besser einschätzen zu

können, werde ich einen Großteil der Strecke zweimal absolvieren. Das erste Mal über mehrere Tage verteilt als Erkundung mit dem Zelt von Süden her. Das zweite Mal als Versuch, nonstop an einem Tag. Diesmal die direkteste Strecke vom Norden zurück in den Süden. Anschließend fahre ich gemütlich weiter und erkunde andere Gebiete in Island und bade in heißen Quellen bis ich Schwimmhäute bekomme.


Zu guter Letzt: Gibt es ein Traum Event/ Wettkampf, an dem du irgendwann einmal teilnehmen möchtest?

Mein nächstes großen Ziel ist es die gesamte Golden Trail Series zu laufen.

Auch sonst sind Ultras ein großen Ziel für mich. Vielleicht steht nächstes Jahr schon die erste Strecke mit 50+km an.


Liebe Josefine, wir danken dir, für das sympathische und interessante Gespräch und wünschen dir eine erfolgreiche und verletzungsfreie Saison.