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27.08.2023 Dr. Björn Zappe

Knie: Meniskusriss — Wie geht’s weiter?

Der Meniskus ist das wichtigste Bauteil des Kniegelenks und verantwortlich für das perfekte Funktionieren des Kniegelenks über seine gesamte Lebensdauer.


Das Kniegelenk besitzt einen Innen- und einen Aussenmeniskus. Die Menisken sind halbmondförmige Scheiben aus Faserknorpel, die zum Rand hin höher sind als nach zentral. Dadurch tragen sie neben dem Kapsel-Bandapparat und der muskulären Führung erheblich zur Stabilität des Kniegelenks bei (Abb. 1). Durch diese spezielle Form gleichen sie die Inkongruenz zwischen der runden Oberschenkelrolle und dem flachen Schienbeinkopf aus. Die gesunden Menisken stellen eine ideale Druckverteilung im Kniegelenk sicher und schützen dadurch den Gelenkknorpel. Ausserdem wirken sie durch ihre Beschaffenheit und Form als Stossdämpfer bei sportlicher aber auch alltäglicher Belastung, praktisch bei jedem Schritt.


Zum Riss des Meniskus kann es durch ein heftiges Verdrehen des Kniegelenks kommen. Dabei wird der Meniskus zwischen Oberschenkelrolle und Schienbeinkopf eingeklemmt und es kann zum Einreissen oder sogar zum Abreissen kommen. Man spricht dann vom unfallbedingten oder traumatischen Meniskusriss (Abb. 2). Es treten meist plötzliche, starke Schmerzen auf, oft begleitet von einer Blockade des Kniegelenks. Meist ist das Auftreten mit vollem Gewicht nicht mehr oder nur mit starken Schmerzen möglich. Man sollte dann möglichst bald einen Sportorthopäden aufsuchen.

2 Meniskusriss
2 Meniskusriss


Im Gegensatz zum unfallbedingten Meniskusriss, kann es auch durch die normale Belastung im Alltag oder im Rahmen der sportlichen Betätigung wie Joggen, Fussball oder Tennis über viele Jahre zu einer gewissen Abnutzung kommen. Das Meniskusgewebe verliert an Elastizität und Verformbarkeit und kann durch ein leichtes Drehen oder eine tiefe Kniebeuge einreissen. Meist sind die Schmerzen und die Schwellung nicht so heftig wie beim unfallbedingten Meniskusriss. Hier sieht man das typische Bild eines ausgefransten Meniskusrandes (Abb. 3). Der sog. degenerative Meniskusriss reicht meist in horizontalem Verlauf noch weiter bis zur Meniskusbasis. Die Symptome sind üblicherweise stechende Schmerzen am innenseitigen Gelenkspalt bei tiefer Beugung und bei Drehbewegungen. Treppe absteigen ist meist unangenehmer als Treppe aufwärtssteigen. Man kann mit einer solchen Verletzung oft noch schmerzfrei Ski und Velo fahren, hingegen ist Tennis spielen oder Joggen meist nicht mehr möglich. Man sollte bei Symptomen dieser Art am Knie, welche länger als 10 Tage andauern, möglichst den:die Hausärzt:in oder eine:n spezialisierte:n Fachärzt:in aufsuchen.

3 ausgefranster Meniskusrand
3 ausgefranster Meniskusrand


In den meisten Fällen sollte der Meniskusriss, egal ob unfallbedingt oder degenerativ, operativ behandelt werden. Dies geschieht arthroskopisch, d.h. minimalinvasiv. Je nach Art und Lokalisation wird der Riss genäht oder das zerrissene Meniskusgewebe möglichst sparsam entfernt. Dann spricht man von einer Meniskusteilentfernung. Grundsätzlich gilt es, wenn immer möglich, den Erhalt dieser wichtigen Struktur durch eine Meniskusnaht anzustreben.


Die Naht des Meniskus ist möglich, wenn sich der Meniskusriss im gut durchbluteten Randbereich (Abb. 4) befindet und es sich um eine günstige Rissform handelt. Das heisst, das Meniskusgewebe darf nicht ausgefranst oder horizontal eingerissen sein. Längsrisse dagegen lassen sich meist gut nähen. Die Meniskusnaht wird ebenso arthroskopisch, meist mit speziellen Naht-Ankersystemen (Abb. 5) durchgeführt. Dieses Nahtmaterial löst sich über die Dauer von 3-4 Monaten zu ca. 50% auf. Es bedarf keines weiteren Eingriffs mehr, um die Fäden wieder zu entfernen.

4 gut durchbluteter Meniskusrand
4 gut durchbluteter Meniskusrand


Meniskusgewebe heilt sehr langsam, darum muss das Kniegelenk nach einer Meniskusnaht sehr restriktiv nachbehandelt werden. Es sollte eine 6-wöchige Teilbelastung des operierten Beins mit nur 15 kg eingehalten werden. Das Knie darf während der ersten 6 Wochen nur eingeschränkt gebeugt werden. Die tiefe Hocke muss für 3 Monate vermieden werden. Rotationssportarten wie Fussball oder Tennis können frühestens nach 4-6 Monaten wieder aufgenommen werden.

5 Meniskusnaht mit speziellem Naht-Ankersystem
5 Meniskusnaht mit speziellem Naht-Ankersystem


Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Naht am Meniskus ist ein stabiles Kniegelenk. Darum müssen begleitende Bandverletzung, wie z.B. eine vordere Kreuzbandruptur mitversorgt werden. Bei guter Indikationsstellung und Einhaltung des Nachbehandlungsschemas hat die Meniskusnaht eine sehr gute Heilungsrate.


Bei dem eher seltenen Fall eines vollständigen Risses der Meniskuswurzel, muss diese über einen speziellen angelegten Bohrkanal wieder an ihrer ursprünglichen Verankerung fixiert werden. Dazu muss neben den beiden Hautstichen für die Arthroskopie noch ein dritter Schnitt im oberen Drittel des Schienbeins angelegt werden. Die Nachbehandlung erfolgt entsprechend den Vorgaben nach Meniskusnaht.


Wir wünschen gute Besserung und «Hals- und Beinbruch»!