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14.06.2023 Clara Koppenburg

Siebenkämpferin Lucia Acklin im Portrait

Wer die Leichtathletikszene verfolgt, wird bereits mehrere Male über ihren Namen gestolpert sein. Mit zahlreichen Bestleistungen und Rekorden hat Lucia für Aufsehen gesorgt. Mit ihrer aktuellen Form hat sie große Chancen, ihren Titel am olympischen Festival der europäischen Jugend (EYOF) in Slowenien zu verteidigen.

Im Interview gibt uns die 16-jährige Herznacherin Einblicke in ihr Training, Leben und Ziele.


Man könnte sagen, dass dir das Talent in die Wiege gelegt wurde. Beide Eltern waren zuerst Mehrkämpfer, bevor sie dann Leistungssport im Bob betrieben. War es für dich schon früh klar, dass du Leichtathletik-Profi werden möchtest?
Leichtathletik hat mich bereits als Kind begeistert. Sowohl das eigene Betreiben der Sportart als auch das Verfolgen der Wettkämpfe im Fernseher. Schnell habe ich den Entschluss gefasst, dass ich auch einmal ganz vorne, bestenfalls für die Schweizer Nationalmannschaft, kämpfen möchte.

Wie schnell hast du herausgefunden, dass du Siebenkampf betreiben und dich nicht nur auf eine Disziplin konzentrieren möchtest?

Ehrlich gesagt, habe ich nie wirklich überlegt, ob ich mich auf nur eine Disziplin konzentrieren möchte. Schon in frühen Jahren, haben wir beim Hypomeeting in Götzis zugeschaut und es hat mich schon immer fasziniert, dass die Athleten so vielseitig aufgestellt und in allen Disziplinen gut waren.

Was ist für dich das Besondere am Siebenkampf?

Sicher die Abwechslung im Training, aber auch der Wettkampf selbst. Es braucht viele verschiedene Komponenten, über Kraft, Koordination, Schnelligkeit, Ausdauer und mentale Stärke, damit in den zwei Wettkampftagen alles passt. Es motiviert mich, in allen Bereichen stärker zu werden, da sich die Disziplinen teilweise ergänzen und sich die harte Arbeit im Gesamtergebnis sehen lässt.

Hast du eine Lieblings- und eine „Hassdisziplin“?

Eigentlich mache ich alles gerne, aber im Moment sind immer noch Hürden und Weitsprung meine Lieblingsdisziplinen. Eine „Hassdisziplin“ habe ich (zum Glück) nicht!

Wie sieht dein Training über die Woche verteilt aus?

Normalerweise trainiere ich einmal pro Tag, außer sonntags, da ist Ruhetag angesagt, soweit kein Wettkampf ansteht. Wann wir welche Disziplinen trainieren, ist ganz unterschiedlich. Je nachdem in welcher Trainings- und Wettkampfphase wird das disziplinspezifische Training von meinen Coaches angepasst.

Ein Siebenkampf zieht sich über 2 ganze Tage. Immer wieder musst du in verschiedenen Disziplinen antreten.
Wie schaffst du es, deine Muskulatur warmzuhalten?
Wie verpflegst du dich über diese zwei Tage?

Je nach Zeitplan haben wir alles nacheinander, da kann ich nur etwas Kleines, wie Bananen oder Müsliriegel, dazwischen essen und schaue, dass ich am Vorabend und zum Frühstück genug esse.
Ein straffer Zeitplan hat jedoch auch den Vorteil, dass ich mich nur einmal intensiv aufwärmen und dazwischen nur noch Disziplinen spezifisch vorbereiten muss.
Bei längeren Pausen zwischen den einzelnen Disziplinen bleibt mehr Zeit zur Verdauung, wodurch ich größere Mahlzeiten, wie Pasta, Reis oder Brote zu mir nehmen kann. Auch bleibt dann Zeit, sich etwas hinzulegen und auszuruhen. Vor dem nächsten Wettkampf muss ich mich dann rechtzeitig und gut aufwärmen.

Momentan gehst du noch zur Schule. Wie vereinst du den Sport mit der Schule? Hast du bereits Pläne nach deinem Schulabschluss?

Ich bin in der Sportklasse der Alten Kanti Aarau, wo ich viel Zeit für das Training zur Verfügung gestellt bekomme. Nach meinem Schulabschluss habe ich noch keine konkreten Pläne. Dafür habe ich noch vier Jahre Zeit.

In wenigen Wochen steht dein Saison-Highlight an: die EYOF in Maribor/Slowenien Ende Juli. Wie fühlst du dich so kurz davor?

Das Training läuft gut und bis dahin werde ich noch ein paar Vorbereitungswettkämpfe machen. Diese geben mir Sicherheit und noch mehr Wettkampferfahrung.

Hast du ein Ritual vor dem Wettkampf?

Nein – eigentlich habe ich keine speziellen Rituale. Nur meine Frisur, die muss perfekt sitzen!

Wird die Aufregung vor den einzelnen Disziplinen weniger mit fortschreitendem Wettkampf oder gibt es eine Disziplin, vor der du immer besonders nervös bist?

Es kommt ganz auf den Wettkampf darauf an und worum es geht. Grundsätzlich versuche ich locker zu bleiben, was mir aber oft nicht ganz gelingt. Eine gewisse Grundanspannung ist sicherlich auch gut, da das Adrenalin einen pusht und in den Wettkampfmodus versetzt.
Vor großen Events bin ich sehr nervös, aber ich denke, dass mit mehr Erfahrung auch das besser wird.

Gibt es Tage, an denen dir alles zu viel wird, du keine Motivation zum Training hast und falls ja, wie gehst du damit um?

Natürlich gibt es solche Tage, aber ich denke, das ist auch ganz normal. In diesen Momenten probiere ich, mich auf meine Ziele zu konzentrieren, mich mit guter Musik oder Belohnungen nach dem Training zu motivieren und das Beste daraus zu machen.

Hast du einen Tipp, wie man mit Niederlagen oder Verletzungen besser umgehen kann?

Geduld und Optimismus sind in solchen Phasen entscheidend.
Bei Verletzungen gibt es immer Möglichkeiten zu Alternativtraining und schlussendlich verliert man gar nicht viel. Oftmals gewinnt man sogar an anderen Qualitäten nach einer Verletzung, da andere Trainingsreize gesetzt wurden und die Motivation umso grösser ist.

Seit einiger Zeit arbeitest du mit der crossklinik zusammen. Was bedeutet das für dich?

Ich bin so dankbar für die Unterstützung. Es gibt mir viel Sicherheit, wenn ich weiß, dass ich in guten Händen bin und in jeder Situation auf die Hilfe der crossklink zurückgreifen kann.

Was begeistert dich neben dem Siebenkampf?

In der letztjährigen Off-Season habe ich zum ersten Mal Wellensurfen probiert, was mir viel Spaß gemacht hat und ich unbedingt wieder machen. Ansonsten bleibt neben dem Sport und der Schule momentan nicht viel Zeit für andere Freizeitaktivitäten.

Wobei kannst du nicht widerstehen?

Bei einem feinen Müsli!

Wo siehst du dich heute in 15 Jahren?

Einen so langfristigen Plan habe ich noch keinen, ich hoffe aber, dass ich entweder noch aktiv im Sport bin oder auf eine erfolgreiche Karriere zurückblicken kann.

Beschreibe dich selbst in drei Adjektiven.

Humorvoll. Optimistisch. Zielbewusst.


Liebe Lucia:
Vielen Dank für das sympathische Interview. Bereits im jungen Alter bist du eine beeindruckende Sportlerin mit vielversprechender Zukunft. Wir, die crossklinik, sind stolz, dich auf deinem Weg begleiten und bestmöglich unterstützen zu können.
Wir wünschen dir viel Erfolg und vor allem eine verletzungsfreie Saison.