Orthopädie

Sport mit Gelenkprothese

Körperliche und sportliche Aktivität tragen wesentlich zu unserem gesamtheitlichen Wohlbefinden bei. Auch mit Kunstgelenken können solche Aktivitäten beibehalten werden. Vernünftiges Leistungsmass und gute Technik sind wichtig. Allerdings sollte auf Sportarten mit hohen Schlag- oder Torsionsbelastungen verzichtet werden.

Golfen

Der Golfsport hat sich in allen Altersklassen auf verschiedenen Leistungsniveaus, in den letzten Jahren zunehmend auch im Breitensport, etabliert. Der technische Anspruch und die Bewegung in freier Natur machen die Faszination dieses Sportes aus. Neben den Schultergelenken, welche bei der Schlagtechnik eine zentrale Rolle spielen, sind es unsere Beine mit ihren Gelenken, die uns durch den Parcours tragen. Die Leistung kann individuell angepasst werden, was das Golfen gerade für Patienten mit künstlichen Hüft- oder Kniegelenken interessant macht.

Patientenbeispiel:
Der 75-jährige Herr S. ist leidenschaftlicher Golfspieler. Das Bild zeigt ihn 9 Wochen nach Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes beim Kurzspiel und Putten auf dem Golfplatz.

Rudersport

Der Rudersport ist eine der wenigen Sportarten, bei der die gesamte Muskulatur einbezogen ist. Beim Ruderschlag und danach beim Vorrollen zum nächsten Schlageinsatz werden auch die Hüft- und Kniegelenke stark, aber gleichmässig beansprucht. Dass die Ausübung des Rudersports mit regelmässigem Training auch in fortgeschrittenem Alter und nach mehrfachen Hüftoperationen ohne weiteres möglich ist, zeigen die folgenden Patientenbeispiele.

1 Doppelvierer mit 8 Rudern, 4 Ruderer mit 7 künstlichen Hüftgelenken:
Jeden Donnerstag trifft sich ganzjährig eine Anzahl älterer Mitglieder des Basler Ruder-Clubs zu gemeinsamen Ausfahrten von 12-16 km Länge in verschiedenen Bootskategorien. Einmal im Jahr wird eine mehrtägige Wanderfahrt im In- oder Ausland mit 12-15 Teilnehmern durchgeführt. Dabei sind jeweils auch vier Ruderer, die zusammen sieben künstliche Hüftgelenke aufweisen, will heissen, drei sind beidseitig, einer ist einseitig operiert.
Das Foto zeigt von vorne nach hinten Georg K. (72). Urs S. (72), Peter G. (72) und Ueli M. (65) beim ‚Giro del Lago di Lugano‘, einer zweieinhalbtägigen Rundfahrt von 120 km rund um den Luganersee, die an die körperliche Leistungsfähigkeit einige Ansprüche stellt. Alle vier Ruderer konnten und können nach den teilweise schon länger zurückliegenden Operationen ihren geliebten Rudersport wieder schmerzfrei ausüben, zu Beginn auf dem Ruderergometer und danach schon bald wieder im Ruderboot.

Radsport

Der Radsport mit seinem im Hüft- und Kniegelenk rund und gleichmässig geführten Bewegungsmuster bietet sich für Patienten nach Hüft- oder Kniegelenkersatz geradezu an.

Patientenbeispiel:
Die 61-jährige Frau M. (s. Bild) ist leidenschaftliche Radfahrerin und wandert gern. Vor 6 bzw. 8 Jahren liess sie sich innerhalb zweier Jahre wegen starker Schmerzen bei fortgeschrittener Arthrose in kurzem Abstand beide Kniegelenke und etwas zeitversetzt dann das linke Hüftgelenk ersetzen. Ein gutes halbes Jahr nach den Knieoperationen und knapp 8 Wochen nach der Hüftoperation fand sie sich wieder im Velosattel. Hier hat unsere sportwissenschaftliche Abteilung mit einer Anpassung der Fahrradergonomie ihr wesentliches zum guten Körpergefühl auf dem Sportgerät beigetragen (Bikefitting in der crossklinik). An den Wochenenden sind Radtouren von 70-80km auf dem Programm, ein Jahreshighlight sind die 2-3 wöchigen Veloferien. Daneben geht sie regelmässig ins Spinningtraining. Auch 3-4 stündige Wanderungen seien gut möglich. Die rechte Hüfte von Frau M. steht mittelfristig auch zur Operation an. “Davor habe ich aber mit den gemachten Erfahrungen keine Angst” sagt Frau M. mit einem Schmunzeln und fährt auf ihrem Velo zur Arbeit davon…